IM AUSNAHMEZUSTAND von Falk Richter

Aus der Reihe WORTGEFECHTE Hamburger Sprechwerk

 

>Catharina Fleckenstein spielt die von diesen Ängsten beherrschte Frau ebenso überzeugend wie Tom Pidde

deren sich Sicherheit einredenden, in öder Routine Zuflucht suchenden Mann.<

Auszug

Godot-Das Hamburger Theatermagazin

Januar 2016 von Christian Hanke

 

 

>Die Analogie zur gegenwärtigen Flüchtlingssituation und zum Versuch, Europa abzuschotten, liegt auf der

Hand. Richters Figuren sind von ihren Ängsten zerfressen.

Wenn Catharina Fleckenstein als blonde Frau schleifenartig ihrem Mann (Tom Pidde) immer wieder dieselben

Fragen stellt, wirkt sie wie eine Beckett-Figur, nahe am Irrsinn und gefangen in ihren gedanklichen Loops.<

Auszug

Hamburger Abendblatt

Starke Stücke an kleinen Theatern

Januar 2016 von Heinrich Oehmsen

 

 

>Da sind Künstler, am Rande der Stadt, denk Dir, die machen Theater, um des Theaters Willen.

Die sind, so glaube ich unprätentiös, die leben für die Kunst, haben diese Ernsthaftigkeit, für die ich sie so beneide.

Werden die denn nicht müde?

Wie könnten Narren müde werden?

Danke Tom, Ines und Catharina Fleckenstein, ich stehe in Eurer Schuld!

Danke, für die Wortgefechte, Konstanze Ullmer!<

Gepostet

auf Facebook

von Christian Berg (Märchenmacher, Schauspieler und Regisseur)

 

 

 

KLASSEFRAUEN-133 JAHRE GEBALLTE FRAUENPOWER

 

>Das Ensemble hat in mehrwöchiger Probenarbeit die selbst getextete Show auf die Beine gestellt.

Die dürfte derzeit in der Kategorie Musiktheater in Hamburg ein Unikat darstellen, vielleicht sogar

einen Edelstein.

Drei Generationen von Frauen:

Großmama Ottilie sowie ihre Tochter und Enkelin (gemeinsam 133 Lebensjahre vertretend) begegnen

einander im Generationen- und Liebes-Konflikt, der allen Zuschauern quer durch die Generationen

hinlänglich bekannt sein dürfte, hier aber, durch das Einstreuen zahlreicher, zumeist weltbekannter

Songs, auf hinreißend neue Weise kommentiert und dokumentiert wird.

Dieses kleine neue Team bietet in seiner spannenden Gemeinschaftsarbeit nicht nur moussierende

Dialoge, Couplets und Chansons, die mit einer unnachahmlich pointierten Sprache und Nonchalance

vorgetragen werden, ihr junger Regiekollege (Daniel Großkämper) hat ihnen auch breiten Raum für

Bewegung und Ausdruck gegeben.

Man darf, im Zusammenhang mit dieser Truppe der Begabten, einmal die große Sängerin

Kirsten Flagstadt zitieren mit ihrem berühmten Satz: „Hier sind Sterne im Aufblühen“.<

Auszug

Godot - Das Hamburger Theatermagazin

September 2013 von Hans-Peter Kurr

 

 

 

UNTER SCHWEBENDEN LASTEN von Bettina Katalin

 

>Dezent verhalten mit wunderbarer Sprachdisziplin, begeisterte Catharina Fleckenstein

als Helena.<

Auszug

Die auswärtige Presse

Januar 2013 von Uta Buhr

 

 

 

AUS DER LUFT GEGRIFFEN ODER DIE GESCHÄFTE DES BARON LABORDE von Hermann Broch

 

>Ann-Christine Gruntzdorff zeigt Labordes junge Gattin Baronesse Stasi komisch als halbseidenes,

gerissenes Luder.

Ihrer Rivalin Agnes bewahrt Catharina Fleckenstein trotz der Schwäche für den unwiderstehlichen Luftikus

kühle Eleganz und klare Vernunft.

(...)

Alle Darsteller bleiben und agieren tänzerisch leicht und komödiantisch im formalen Rahmen von

Spiekermanns abgezirkeltem, betont ausgestelltem Bewegungstheater.

Der Saxofonist Anri Danielian spielt auf zu diesem amüsant sarkastischen Tanz auf dem Vulkan.<

Auszug

Hamburger Abendblatt

November 2012 von Klaus Witzeling

 

 

 

DENNIS-EIN KIND ZWISCHEN DEN FRONTEN

 

>Das Eröffnungsstück, das in diesen Tagen vor einem beifallsfreudigen Publikum uraufgeführt wurde,

heißt „Dennis“. Das kriminalpsychologische Drama von A. A. Lucas vereint die Themen Kindesmissbrauch

und Mobbing (...).

Der berechtigte und verdiente Premierenerfolg ist zum Teil dem wirklich gut geschriebenen „Drama“ des

Autors A. A. Lucas zu verdanken (...).

Drittens muss Esther Barth, Ann-Christine Gruntzdorff, Moritz von Zeddelmann und Ralph Eckstein gedankt

werden, die sich mit dem ungemein schweren Stoff akribisch auseinandergesetzt und ihn individuell

prägnant ihren so unterschiedlichen Figuren eingehaucht haben.

 

Eindeutig angeführt von der in ihrer darstellerischen Differenzierungs- und Nuancierungskunst unübertroffenen

Catharina Fleckenstein, die die Fußstapfen ihres einst berühmten Vaters,

des Göttinger Intendanten Günther Fleckenstein, längst hinter sich gelassen hat und

ihren eigenen, eigenwilligen künstlerischen Weg geht.<

Auszug

Godot-Das Hamburger Theatermagazin

August 2012 von Hans-Peter Kurr

 

 

 

SPIRITUELLE GESPRÄCHE

 

Henrik Geyer, Mai 2016:

 

>Vor einiger Zeit führte ich einige spirituelle Gespräche mit kreativen Menschen. Das Thema, das mich

persönlich interessierte, war Spiritualität. Was bedeutet diesen Menschen das Wort Spiritualität,

was verstehen sie darunter, wie leben sie Spiritualität, was nützt ihnen Spiritualität? Was ist Spiritualität

im Unterschied zu Religiosität, was hat Kreativität damit zu tun, und vieles mehr.

Schon allein die Frage, warum so viele spirituelle Menschen im weitesten Sinne als Künstler arbeiten,

ist eigentlich interessant. Woran liegt das?

Und wie sich an Dr. Dahlke zeigt, kann Spiritualität auch für Ärzte ein nützliches, weil heilendes, Werkzeug sein.

Wie ist es möglich, dass Spiritualität heilen kann?

Wenn ich heute das Gesagte zusammenfassen sollte, würde ich sagen, dass die von mir befragten

Menschen sich intensiv mit Deutungen der Welt beschäftigen; sie sind achtsam, befragen sich immer

wieder selbst, versuchen zu verstehen: Was ist Glück?

Wie lebt man richtig? Was ist das Wichtige im Leben?

Das "Richtige" ist für sie nicht von vorn herein das, was alle sagen, sondern sie suchen in sich.

Daher erscheinen ihre Gedanken, sofern diese geäußert werden, dem „Normalmenschen“ vielleicht

ab und an auch absonderlich.

Es geht diesen Menschen, so mein Eindruck, oft weniger um Geld, oder um Materielles. Sondern um Erfüllung,

Ausgewogenheit, ein Der-Seele-gerecht-Werden, weniger aber um gesellschaftliche Normen.

Es sind Menschen, die ihre inneren Welten für wahr und wichtig halten; die Rätselhaftigkeit in sich

selbst finden und dies interessant finden.

Für mich waren die Gespräche sehr aufschlussreich und ich bin froh, sie geführt zu haben.

Ich fand es erhellend, ein klein wenig tiefer in die inneren Welten anderer einzutauchen;

normalerweise sind Gelegenheiten für Gespräche dieser Art dünn gesät.

Ich denke, es kam einiges zu Tage, das man erstaunlich und spannend nennen darf.

Ich hoffe, dass diese Gespräche über Spiritualität, Glück und Kreativität für manch anderen so aufschlussreich

sind, wie sie es für mich waren.<

 

Interview mit Catharina Fleckenstein

>… um zu berühren müssen wir ehrlich sein<

 

Spireo: Was suchen Sie?

 

Antworten auf die Fragen: Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich?

Und zwar in meinem „echten" Leben als auch auf der Bühne. Diese Fragen sind Teil der klassischen

Vorbereitung des Schauspielers auf eine Rolle. Mit anderen Worten: Selbst-Erkenntnis und Bewusstwerdung

sind das, was mich auf allen Ebenen anspornt.

 

Spireo: Was finden Sie im Theater und nirgendwo sonst?

 

Die Bühne ist ein Phantasie-Raum. Durch das Öffnen und Wechseln der Spielebenen kann die Wahrnehmung

und das Bewusstsein des Zuschauers erweitert werden. Das ist das Wesen der Kunst Überhaupt.

Und dennoch ist es im Theater nichts Abstraktes, denn Teil dieses Phantasie-Raums sind Akteure, Menschen,

die im Augenblick agieren.

Wenn mich eine Theateraufführung als Zuschauerin begeistert, werde ich innerlich zu dem Kind, das ich war,

als ich das erste Mal im Theater saß. Die Qualität des Moments hat sich nie geändert. Ich tauche ein in

das Zauberhafte: das Licht, den Geruch, die Stoffe, die Magie.

Bei einer aufregenden Theateraufführung gehen Welten unter und andere erstehen.

Es ist auch möglich, dass nur der Untergang einer Welt beschrieben wird, aber im Zuschauer der Ausblick auf

das Erstehen einer anderen entsteht.

In jedem Fall ist das, was geschieht, existentiell. Es geht immer um "Sein oder nicht Sein".

Ich glaube an den Theaterabend als kathartischen Vorgang. In dem Sinne, dass ein Prozess stattfindet,

der alle Beteiligten auf einer anderen Bewusstseinsebene entlässt als sie sich zu Beginn des Stücks befanden.

Die äußere Handlung ist dabei nur eine Metapher für die geistigen Prozesse.

Theater kann es schaffen, Zeit und Raum außer Kraft zu setzen.

Unsere gewohnten Koordinaten der Wahrnehmung anders zusammen zu stellen oder völlig fallen zu lassen.

Es ist eine spirituelle Erfahrung, mit den Mitteln des Spiels. Auf spielerische Weise.

Die Zuschauer sollten dafür im Herzen berührt werden. Lachen und Weinen und sich ganz und gar beteiligt

fühlen beim Spiel auf der Bühne. Mit den Schauspielern in jedem Augenblick präsent und verbunden sein.

 

Spireo: Was suchen die Besucher im Theater? Kurzweil - und vielleicht noch etwas anderes?

 

Ich glaube, dass Zuschauer, vielleicht ohne dass es ihnen immer bewusst ist, teilnehmen möchten an diesem

Wahrnehmungs-Abenteuer. Selbst wenn sie einfach Lust haben nach amüsanter Ablenkung.

Eindruck hinterlässt eine Theatervorstellung, wenn Zuschauer auf einer tieferen Ebene berührt,

vielleicht auch verstört und inspiriert werden.

 

Spireo: Was ist Kreativität?

 

Für mich ist Kreativität, wenn Menschen ihrer Verbindung zum Geistigen Ausdruck verleihen.

Das kann alles sein, Kochen, Malen, Tee trinken, egal was. Es kommt auf die innere Haltung an

zu dem, was man tut.

In meinem Fall scheint es das Spiel zu sein -und auch das Geschichtenerzählen. Das ist einfach der Bereich,

in dem ich am klarsten die Verbindung, die man auch Intuition nennen könnte, erfahre.

 

Spireo: Was ist Kreativität, wenn man Texte von anderen lernt?

 

Die Sprache ist immer nur ein sehr schmaler Bereich des Ausdrucks. Wenn es sich um eine dichterische

Sprache handelt, birgt sie in sich schon mehrere Ebenen. Aber wir brauchen alle Aspekte unserer

gestalterischen Ausdruckskraft, der körperlichen, stimmlichen, und vieles mehr, um etwas Lebendiges zu

kreieren.

Der fremde Text, die Fabel, oder wie man inzwischen sagt, die Story ist nur eine Matrix. Die wesentlichen

Vorgänge, sowohl in den Figuren als auch im Zusammenspiel der Figuren miteinander, müssen erst geschaffen

werden. Und das in jedem Moment neu.

 

Spireo: Welche für Sie rätselhaften Erfahrungen machen Sie in ihrem Beruf?

 

In erster Linie mache ich aufregende Erfahrungen.

In der Zusammenarbeit mit unserem Ensemble z.B. entsteht oft eine Art „Inspirationsfeld", in dem wir plötzlich

wie ein zusammenhängender Körper agieren und ganz viel Kreatives innerhalb des künstlerischen Prozesses

entsteht, das sich niemand je theoretisch ausdenken kann. Als wäre ein Kanal geöffnet, durch den die Ideen

uns erreichen. Man wird selbst ganz durchlässig, das ist ein beglückender Zustand.

Unser Kennenlernen entspricht am ehesten einer rätselhaften Erfahrung:

Das war bei einer Inszenierung, die mit vielen Schwierigkeiten behaftet war. Es wäre das Selbstverständlichste

gewesen, dass alle Ensemble-Mitglieder vor der Premiere aussteigen und die Sache hinwerfen.

Teilweise sind uns erhebliche finanzielle Probleme entstanden, weil festgelegte Gagen nicht gezahlt wurden.

Aber es hatte sich bereits eine gemeinsame Kraft entwickelt, die stärker war als alle vernünftigen Überlegungen.

Sie hat uns weiter geführt und wir haben eine erfolgreiche Premiere gespielt. Freunde, denen ich davon erzählte,

konnten das Überhaupt nicht nachvollziehen und haben an meinem Geisteszustand gezweifelt.

 

Spireo: Was bedeutet Schauspielkunst für Sie persönlich?

 

Ob Zuschauer berührt werden, hängt davon ab, wie ehrlich wir auf der Bühne sind. Wie ernst-

im Sinne der Erzählung - wir es meinen. Wie gut wir handwerklich sind und wie sehr wir uns als Spielende

darauf einlassen, die stattfindenden Prozesse transparent zu machen.

Julia Roberts hat das unlängst in einem Interview wunderbar formuliert:

Roberts: "Wir stellen uns ganz und gar aus, zeigen, offenbaren uns. Man ist schutzlos. Und doch müssen

wir alles kontrollieren, damit alles glaubhaft wirkt und bloß niemand an der falschen Stelle lacht.

Wir versuchen, die Empfindungen und die Verwundbarkeiten der Menschen zu offenbaren.

Und das Geheimnis zu enthüllen, weshalb wir uns in der Welt so benehmen, wie wir es tun.

Es ist eine seltsame Leidenschaft.

Und je älter ich werde, desto mehr interessiert es mich, diesen Beruf zu ergründen.

Eines kann ich sagen: Je erfüllter und sicherer ich mich in meinem Leben fühle, desto weniger

fühle ich mich getrieben oder gezwungen, diesen Beruf auszuüben. Und desto eher fühle ich mich bereit,

es zu tun."

Diese Erfahrung teile ich. Durch meinen persönlichen Weg, mein Vertrauen zu gründen, Ängste abzubauen,

meiner Intuition zu folgen, mich führen zu lassen, entsteht eine immer größere Bereitschaft, mich allen

menschlichen Aspekten und Themen zu stellen, nichts zu meiden.

Und dadurch steigt die Bereitschaft, diese Aspekte zu zeigen und zu teilen.

Im „echten" Leben und auf der Bühne.

 

Spireo: Liebe Catharina Fleckenstein, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch.

 

Das Gespräch wurde im Mai 2014 geführt